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© Julia Sellmann
Dem westfälischen Bildhauer Timothy C. Vincent sind Zertifikate schnuppe

Alles aus der Heimat

Via ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2017) • Miray Caliskan und Hella Kemper • 20.02.2017

Der Steinmetz Timothy C. Vincent vernetzt Handwerker

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Importgestein aus Fernost kommt Timothy C. Vincent nicht ins Atelier. Für die Grabmale und Skulpturen, die der Bildhauer aus Wetter an der Ruhr gestaltet, nimmt er Naturstein: Sandstein aus der Region, Granit aus dem Bayerischen Wald, oder er recycelt sogar alte Grabsteine. Doch das nordrhein-westfälische Bestattungsgesetz schreibt vor, dass nur zertifizierte Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die nachweislich ohne Kinderarbeit produziert werden. Vincent sagt: »Das muss auch ohne Zertifikat gehen.« Seine Idee: Für die soziale und faire Quelle eines Produkts bürgen die Handwerker mit ihrer Person. So wie Vincent.

Damit war seine Initiative »Handwerk mit Verantwortung« geboren. Die Handwerker, die sich ihr inzwischen angeschlossen haben, verzichten auf alles aus fragwürdiger Herstellung und beziehen ihre Produkte aus der Region. Zur Initiative gehören Bäcker, Zimmerer, Steinmetze und ein Schneider. Die Biobäckerei mahlt regionales Getreide in der Steinmühle, knetet Brot und Brötchen von Hand, bezieht Ökostrom und liefert nur einmal am Tag aus, um Treibstoff zu sparen.

Die Ethik, die dahintersteht: Es geht nicht darum, ein Produkt möglichst billig zu verkaufen, sondern es nachhaltig, sozial und fair herzustellen. »Jetzt wollen wir auch andere Handwerker motivieren, unseren Weg des Wirtschaftens mitzugehen«, sagt der Steinmetz Vincent.

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Der vom Steinbildhauer Timothy Vincent initiierte Verein sorgt für nachhaltiges Wirtschaften im Handwerk. Timothy Vincent will mit der Initiative ein besonderes Maß an Qualität und Verantwortung erreichen. Die beteiligten Handwerker arbeiten nicht nur für das Wohlergehen der eigenen Generation, sondern auch für das der zukünftigen. Sie zeigen sich weltoffen und sind doch zugleich in der eigenen Region verwurzelt. Sie kennen die ökonomischen und sozialen Strukturen vor Ort und nutzen regionale Ressourcen. Damit praktizieren sie eine Einheit von Ökologie und Ökonomie.