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© Jordi Huisman
Fairphone - Vision Nachhaltiges Handy

Bei Anruf Nachhaltigkeit

Via Ulrike Meyer-Timpe für ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2014)

Bas van Abel arbeitet an einem fair produzierten Handy.

Ein Smartphone gehört heute so selbstverständlich zum Leben wie ein Auto, ein Fernseher oder ein Radio. Aber um Handys zu produzieren, werden bestimmte Mineralien benötigt, Zinn und Coltan etwa – und die werden oftmals unter miserablen Arbeitsbedingungen in Konfliktregionen gewonnen.

Als Bas van Abel eines Tages mit einem Freund eine Kampagne zu diesen Mineralien plante, machte er das Thema zu seiner Sache. Denn im Bergbau herrschen nicht nur unmenschliche Verhältnisse, der Abbau belastet auch die Umwelt, und die Erlöse finanzieren Bürgerkriege. Als Industriedesigner hatte van Abel Erfahrung damit, Lieferanten aufzuspüren und zu kontaktieren. Bald wurde dem Niederländer und ein paar Gleichgesinnten jedoch klar, dass auch eine noch so sorgfältig recherchierte Kampagne das Thema längst nicht so öffentlich machen würde wie die Produktion eines selbst entwickelten, sozial- und umweltverträglichen Smartphones.

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Es soll das Bewusstsein der Kunden schärfen für die Bedingungen, unter denen ihr Smartphone entstanden ist, und es soll anderen Herstellern als Vorbild dienen.

Das ist vier Jahre her. Ihr »Fairphone«, das soeben auf den Markt gekommen ist, ist ein Gegenmodell zu allen anderen Mobiltelefonen. Es soll das Bewusstsein der Kunden schärfen für die Bedingungen, unter denen ihr Smartphone entstanden ist, und es soll anderen Herstellern als Vorbild dienen. Die größte Schwierigkeit für das Team rund um Bas van Abel war, wirklich alle Bestandteile aus fairen Quellen zu beziehen. Denn anders als beispielsweise bei fairem Kaffee stecken in jedem Smartphone massenhaft Komponenten, bestehend aus verschiedensten Rohstoffen. »Wir haben sehr schnell begriffen, dass die Welt nicht immer schwarz oder weiß ist«, sagt Bas van Abel. »Wir könnten zum Beispiel Coltan auch aus Australien beziehen, wo die Arbeitsbedingungen gut sind. Wir haben uns dennoch für den Kongo entschieden, um den Lebensunterhalt der Menschen dort zu sichern und auch die lokale Wirtschaft zu stützen.« Zwar sei es gelungen, dort Minen zu finden, deren Erlös nicht in die Kriegskassen von Milizen fließt, aber Kinderarbeit sei im Kongo bislang nicht auszuschließen.

Die ersten 25 000 Fairphones, die jetzt auf dem Markt sind, wurden also nicht hundertprozentig fair produziert. Dies zu erreichen bleibt weiter das Ziel. Außerdem soll in Zukunft das komplette Telefon aus wiederverwertbarem Material hergestellt werden – auch daran arbeiten van Bal und sein Team noch, gemäß ihrem Motto: »Wir definieren Wirtschaft neu. Ein Schritt nach dem anderen.«

https://www.youtube.com/watch?v=DmAreWENA2Q