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© Peter Rigaud
Christian Felber bringt Geld Manieren bei

Das Geld ist für alle da

Via ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2017) • Miray Caliskan und Hella Kemper • 20.02.2017

Christian Felber ist der Robin Hood einer gerechten Ökonomie

© Peter Rigaud

Was wäre, wenn eine Volkswirtschaft sich nicht den finanziellen Gewinn als oberstes Ziel setzte, sondern das Wohl der Gesellschaft? Wenn es eine Volkswirtschaft gäbe, in der nicht die Reichen reicher und die Armen ärmer werden, sondern eine, die allen Menschen die gleichen Rechte und gleichen Freiheiten zugesteht? Nur Wunschdenken? Eine Utopie?

Vor sechs Jahren entwickelte der österreichische Philologe Christian Felber die Gemeinwohl-Ökonomie: ein alternatives ethisches Wirtschaftsmodell, das nicht darauf beruht, Gewinne zu steigern, sondern das Gemeinwohl als wichtigste Maxime sieht. »Motiviert hat mich, dass die Wirtschaft unsere Grundwerte untergräbt und einem falschen Ziel verpflichtet ist, nämlich allein das Kapital zu mehren«, sagt der 44-Jährige. Er initiierte vor ein paar Jahren zusammen mit 15 Unternehmern die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung.

Felbers Buch Gemeinwohl-Ökonomie erschien 2010 und wurde seither in zehn Sprachen übersetzt. Darin formuliert er seine These: Statt eines Bruttoinlandsprodukts gibt es ein Gemeinwohl-Produkt, statt Freihandel wird ein ethischer Handel angestrebt, und der Finanzbilanz wird eine Gemeinwohl-Bilanz vorangestellt. Was zählt, sind Werte wie Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Demokratie – ein gutes Leben für alle. Unternehmen arbeiten nicht in Konkurrenz zueinander, sondern kooperieren – so wie in Südtirol, wo sich vier Gemeinden im Vintschgau zur weltweit ersten Gemeinwohl-Region zusammengeschlossen haben.

Die Gemeinwohl-Bewegung bemisst die Grundwerte eines Unternehmens auf Basis eines Punktesystems, gefragt wird beispielsweise: Ist das Einkommen gerecht verteilt? Wie sinnvoll und ökologisch ist das Produkt? Sind die Arbeitsbedingungen human? »Das Ergebnis konnte man an Rechtsfolgen koppeln: Je niedriger die Punktzahl, desto mehr Steuern, Zolle und Zinsen muss ein Unternehmen zahlen. So überleben die Netten«, sagt Felber.

Mehr als 2200 Unternehmen aus fast 50 Ländern unterstützen das Modell inzwischen, 400 Firmen haben bereits eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt, darunter der Outdoor-Ausrüster Vaude, der Tee- und Gewürzeanbieter Sonnentor und die Sparda Bank München. Mit den gleichen Zielen gründet Felber jetzt die erste Gemeinwohl-Bank in Österreich und denkt auch über eine Gemeinwohl-Börse nach – als Alternative zu kapitalistischen Marktplatzen.

© José Luis Roca

Das alternative Wirtschaftsmodell, entwickelt vom Österreicher Christian Felber, sieht für alle Menschen die gleichen Rechte, Freiheiten und Chancen vor. Der Fokus liegt auf der Mehrung des Gemeinwohls anstatt auf der Mehrung des Kapitals. Die Idee ist, unternehmerischen Erfolg nicht mehr als monetären Gewinn zu messen, sondern als Fortschritt eines Unternehmens zum Gemeinwohl und damit das zu messen, was »wirklich zählt«. Mehr als 2.200 Unternehmen unterstützen das Modell. 400 davon haben bereits eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt, darunter zum Beispiel der Outdoor-Ausrüster VAUDE.