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© Natalie Bothur
Foodsharing - Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln

Die geteilte Mahlzeit

Via Ulrike Meyer-Timpe für ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2014)

Valentin Thurn und seine Initiative Foodsharing.

Das Thema packte Valentin Thurn vor gut sechs Jahren. Damals drehte der Journalist eine Fernsehreportage über Mülltaucher und begleitete sie beim »Containern«: Aus Protest gegen die Vernichtung von Lebensmitteln ernähren sie sich vom Abfall der Supermärkte. Als Thurn erstmals in einen dieser Container blickte, war er schockiert. Der riesige Behälter quoll über von Essen aller Art:

Etwa die Hälfte aller Lebensmittel landen hierzulande auf dem Müll.

Joghurt, eingeschweißter Käse und Schinken, Brot, Milch, Gemüse, das komplette Sortiment – oft war das Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen. »Ich habe nicht ansatzweise gedacht, dass das eine solche Größenordnung hat«, sagt Thurn. Dagegen wollte er etwas tun. Etwa die Hälfte aller Lebensmittel landen hierzulande auf dem Müll. »Das betrifft die gesamte Produktionskette«, so Thurn. Bereits die Bauern vernichten jede Menge Obst und Gemüse, weil es nicht der optischen Norm entspricht und deshalb unverkäuflich ist. Die Nachfrage nach Weizen und damit dessen Weltmarktpreis steigen unnötig an, weil Backwaren weggeworfen werden. Das macht Brot für Menschen in armen Ländern zum Luxusgut. Darüber hinaus schadet die Verschwendung von Lebensmitteln auch dem Klima, weil in der Landwirtschaft mehr als ein Drittel der Treibhausgase erzeugt werden.

© Natalie Bothur

Um diese Zusammenhänge öffentlich zu machen und den Weg für eine neue Wertschätzung von Nahrungsmitteln zu bereiten, hat Thurn das Netzwerk »Foodsharing« gegründet. Als sein Dokumentarfilm Taste the Waste 2011 in den Kinos lief, startete er eine Fülle von Aktionen: Schulklassen holten auf den Feldern aussortiertes Gemüse ab, prominente Köche kochten auf Marktplätzen, Freiwillige boten in Fußgängerzonen krumme Möhren an, über die Internetplattform Sharefood verschenkten Menschen Lebensmittel, die sie zu viel gekauft hatten. Valentin Thurns Kampagnen bewirkten beispielsweise schon, dass die Bäcker in den Supermärkten nicht mehr verpflichtet sind, das komplette Angebot bis Ladenschluss vorrätig zu halten. Jetzt arbeitet Thurn an seinem zweiten Kinofilm, Arbeitstitel: Taste the Region.

https://www.youtube.com/watch?v=AitCWi56jAw