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© Enver Hirsch
»Goldeimer« schließt den Kreislauf des Lebens – mit ein bisschen Humor

Die Komposttoilette

»Goldeimer« revolutioniert das Klo mit einem Becher voller Späne

© Enver Hirsch

Die Chemietoilette ist eine sanitäre Hölle: Sie stinkt, ist unhygienisch und schadet auch noch der Umwelt. »Goldeimer«-Toiletten dagegen benötigen weder Wasser noch Chemikalien, der Toilettengänger braucht bloß Hobelspäne auf seine Ausscheidungen zu schütten – und alles wird gut: Die Späne saugen die Feuchtigkeit auf, neutralisieren die Gerüche und binden alles zu einer Biomasse zusammen, die Renaissance des Plumpsklos. »Der Rohkompost wandert später in ein Kompostierwerk und wird zu Bodensubstrat verarbeitet und als Dünger genutzt«, sagt Enno Schroder, einer der Mitgründer von »Goldeimer«.

Seit vier Jahren betreibt er zusammen mit Malte Schremmer die mobilen, nachhaltigen Komposttoiletten, die die Chemieklos ersetzen sollen. Schremmer hatte auf einer Reise mit Viva con Agua durch Westafrika einfache Toilettenanlagen und Sickergruben kennengelernt. Zusammen mit Kommilitonen gewann er dann mit dem Sagespäne-Klo einen Ideenwettbewerb der Kieler Universität. Mit dem Preisgeld finanzierten die »Goldeimer«-Gründer zwei Prototypen der Komposttoilette.

Um »Goldeimer« bekannter zu machen, brachte das Start-up kürzlich das erste »soziale« Klopapier auf den deutschen Markt. Das recycelte Papier ist mit Informationen über die weltweite sanitäre Versorgungskrise bedruckt, dient also als Flyer, um darauf aufmerksam zu machen, dass Trinkwasser durch Fäkalien verseucht wird. »Die Erlöse, die wir mit Papier und Toiletten einfahren, fließen in die Projekte von Viva con Agua und der Welthungerhilfe«, sagt Schremmer. Diese wiederum setzen sich für eine bessere Trinkwasserversorgung und sanitäre Anlagen in Entwicklungsländern ein.

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Das Social Business konzipiert und betreibt mobile, nachhaltige Sanitärsysteme für Open Air-Veranstaltungen. Mit dem unkonventionellen Ansatz einer ökologischen Kompost-Toilette regt Goldeimer Menschen unweigerlich an, über Nährstoffkreisläufe und Nachhaltigkeit nachzudenken. Goldeimer schließt Stoffkreisläufe und kompostiert die gesammelte Biomasse zu einem fruchtbaren Humussubstrat. Seit 2016 ist zudem das ökologische Goldeimer-Toilettenpapier auf dem Markt. Es dient als papierener Multiplikator und sensibilisiert auch das Publikum außerhalb des Festivalkosmos für nachhaltige Kreisläufe.