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© Peter Rigaud
Auf der Bildungsplattform Kiron spielt der Status keine Rolle

Die Uni in der Hosentasche

Via ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2017) • Miray Caliskan und Hella Kemper • 20.02.2017

Auf der Online-Plattform Kiron können Geflüchtete studieren

© Peter Rigaud

Nichts als warten: Für Menschen, die auf der Flucht sind, ist es in Deutschland schwer, sich zu immatrikulieren. Sie müssen dafür nicht nur Deutschkenntnisse, sondern auch einen korrekten Aufenthaltsstatus nachweisen. Darüber vergehen durchschnittlich drei bis vier Jahre. Das ist eine lange Zeit, vor allem, wenn man jung ist. Damit Geflüchtete ihre Wartezeiten sinnvoll nutzen können, gründeten Markus Kreßler und Vincent Zimmer per Crowdfunding eine Bildungsplattform, die Kiron Open Higher Education, die einen unkomplizierten, unbürokratischen Zugang zur Hochschule möglich macht. Diese Idee entwickelten die beiden 2014 und ermöglichen Geflüchteten so, zu studieren, während sie noch Deutsch lernen und die notwendigen Dokumente für die Hochschulzulassung beschaffen; einsteigen kann jeder, der nachweisen kann, dass er auf der Flucht ist.

In den ersten zwei Jahren belegen die Studierenden (englischsprachige) Onlinekurse, die von Hochschulen wie Harvard und Stanford zur Verfügung gestellt werden. Sie entscheiden sich für eine Fachrichtung und können mehrere Module abschließen. Dann steigen sie an einer Partnerhochschule, inzwischen sind es 20 in Deutschland und sieben im Ausland, ins dritte Semester ein, um Präsenzveranstaltungen zu belegen und dann letztlich einen staatlich anerkannten Studienabschluss zu erlangen. Mehr als 2000 Studierende haben zurzeit Zugang zu den Kursen auf der Lernplattform. »Die erste »Online«-Gruppe wird voraussichtlich noch in diesem Sommer an die Universitäten gehen«, sagt Kreßler, »hoffentlich funktioniert auch alles.«

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Das Social-StartUp ermöglicht Geflüchteten, unbürokratisch ein Studium aufzunehmen und sich weiterzubilden. Über digitale Lehr- und Lernformate, sogenannte MOOCS (Massive Open Online Courses), wird die Möglichkeit eines Hochschulzugangs eröffnet. Nach dem Onlinestudium sollen die Studierenden an einer der Partneruniversitäten Kurse belegen und einen anerkannten Abschluss machen. Kiron wird unter anderem vom BMBF gefördert und erprobt im Rahmen der Projektlaufzeit gemeinsam mit den Partnerhochschulen RWTH Aachen und der FH Lübeck Konzepte, Studierenden den Zugang zu Hochschulen zu ermöglichen.