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© Steffen Roth
manomama GmbH: Ein ökosoziales Unternehmen, das in der Textilbranche sozial und nachhaltig fertigt

Klamotten, bleibt doch einfach hier!

Sina Trinkwalder produziert Mode in Augsburg statt in Asien.

Mitten in Augsburg rattern Tag für Tag Nähmaschinen. Hinter der Glasfassade einer zentral gelegenen Produktionshalle nähen, ketteln, säumen Mitarbeiterinnen auf fast 5000 Quadratmetern T-Shirts, Jeans und Einkaufstaschen. Damit knüpfen sie an die große Tradition der Stadt an: Vor gut 50 Jahren bot die Augsburger Textilindustrie noch Arbeitsplätze für fast 20 000 Menschen – bis die Branche hierzulande einen einzigartigen Niedergang erlebte und die Jobs nach Asien wanderten. Eine Entwicklung, die Sina Trinkwalder nicht akzeptieren mochte. »Ich will zeigen, dass Textilproduktion in Deutschland möglich ist«, sagt die Jungunternehmerin. Mit ihrem sozial und ökologisch nachhaltigen Label Manomama hat sie den Beweis erbracht.

Ursprünglich hatte Trinkwalder mit der Textilbranche nichts zu tun gehabt. Gemeinsam mit ihrem Mann besaß sie eine Werbeagentur. Bis ihr klar wurde: »Das viele Geld, das ich als Werberin verdiene, ist Schmerzensgeld.« Menschen Produkte schmackhaft zu machen, damit sie mehr konsumieren – das Leben glich einem Hamsterrad. »Ich wollte etwas Sinnvolles tun, das gesellschaftlich relevant ist«, sagt die 36-Jährige.

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Meine Idee war der Mensch. Ich wollte Arbeitsplätze schaffen für Menschen, die sonst keiner will.

Sina Trinkwalder

Normalerweise, sagt Sina Trinkwalder, gebe die Produktidee den Anstoß zur Unternehmensgründung. In ihrer Heimatstadt Augsburg lag es nahe, Textilien zu produzieren. Mit Elan machte sie sich schlau über Produktdesign und Passformentwicklung, Textilchemie und Verfahrenstechnik. Im April 2010 startete sie mit einer selbst entworfenen T-Shirt-Kollektion und zwölf Mitarbeiterinnen, die zuvor Hausfrauen oder arbeitslos gewesen waren. Inzwischen beschäftigt sie über 150 Frauen, das Angebot reicht jetzt bis zu Jeans und Jacken, Unterwäsche und Gürteln.

Außer der Bio-Baumwolle stammen alle Materialien aus regionaler Öko-Produktion. Der Onlineshop ist gut besucht, und bundesweit bieten Reformhäuser ihre Mode an. Trinkwalder hat ihr Ziel erreicht: Sie hat viele Jobs geschaffen für Menschen, denen der Arbeitsmarkt wenig bietet – und ein Projekt, das ihrem Leben Sinn verleiht.

Die ehemalige Werberin Sina Trinkwalder hat ihren gut bezahlten Job aufgegeben, um ihre Vision zu verwirklichen. Sie hat in Augsburg jede Menge Arbeitsplätze für Näherinnen geschaffen – etwas, das in Deutschland angeblich chancenlos ist.

https://www.youtube.com/watch?v=yreXxj1EuIY