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© Kathrin Spirk
Aus Weniger Mehr machen - und dabei die Umwelt schonen

Leben statt Wachstum

Via Sandra Winzer für ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2013)

Weniger konsumieren – und dafür weniger arbeiten? Anstatt Berge von unnützen Dingen anzuhäufen, lieber mehr Freizeit haben und sie in einer intakten Umwelt genießen?

»Wir müssen uns vom Überfluss lösen«, sagt Niko Paech. Der Nachhaltigkeitsforscher ist Gastprofessor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und ein profilierter Verfechter der Postwachstumsökonomie. Dabei geht es um die Abkehr vom Güterwohlstand hin zu mehr Lebensqualität, um die Umverteilung der Arbeit, das Stärken regionaler Märkte, um Tauschringe und regionale Währungen sowie individuelle CO2-Bilanzen.

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Wirtschaft ohne Wachstum – das ist zu starker Tobak für die meisten Kollegen.

Niko Paech

Bislang basiert unser Wirtschaftssystem auf stetigem Wachstum – jedes Jahr von allem immer mehr. Doch der Klimawandel und die knapper werdenden Ressourcen machen deutlich: So kann und wird es nicht weitergehen. Fragt sich nur, was die Alternative ist. »Wirtschaft ohne Wachstum – das ist zu starker Tobak für die meisten Kollegen«, sagt Paech. Dennoch werde es künftig nicht mehr darum gehen, dass die Bürger möglichst viel kaufen und die Unternehmen expandieren – sondern darum, dass alle so wenig wie möglich verbrauchen.

Seit vielen Jahren entwickelt der Volkswirt Paech Alternativen zum traditionellen Wohlstandsmodell. Seine Wirtschaftstheorie der Zukunft ist Nachhaltigkeit für Fortgeschrittene. Er möchte etwa die »graue Energie« – die Energiekosten von der Herstellung über den Transport bis hin zur Entsorgung eines Produkts – minimieren, indem er Dinge möglichst lange nutzt. Das würde CO2 und gleichzeitig unnütze Kosten sparen.

Er hält Vorträge, schreibt Bücher, lehrt an der Uni – und treibt viele Projekte voran. Da ist der Oldenburger Verschenkmarkt, bei dem die Menschen Waren kostenlos abgeben und mitnehmen. Da ist das Netzwerk Wachstumswende, ein Diskussionsforum von Wissenschaftlern und Praktikern. Und die Oldenburger Energiegenossenschaft, deren Aufsichtsratsvorsitzender er ist: Sie will die Strom- und Gasnetze der Stadt übernehmen, sie also in die Hand der Bürger geben – und die lokale Energiewende fordern.

https://www.youtube.com/watch?v=S017lvT17bE