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© Kathrin Spirk
Die Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft

Solidarische Landwirtschaft

Via Ulrike Meyer-Timpe für ZEIT WISSEN (Ausgabe 1/2013)

Ein Bauernhof? Da gibt es Kornfelder und den Kartoffelacker, auf den Weiden grasen die Kühe, und im Hof tummeln sich Hühner und Enten. Produziert werden gesunde Lebensmittel. Ein allzu romantisches Bild?

Längst ist die Landwirtschaft zur Industrie geworden. Wer als Bauer Geld verdienen will, muss sich spezialisieren: auf Rapsanbau für Biosprit, auf Massenzucht von Schweinen, auf Eierproduktion in Legebatterien. Kein Wunder, dass sich kaum noch Nachwuchs findet. »Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft«, sagt Wolfgang Stränz.

Die Lebensmittel verlieren so ihren Preis und bekommen ihren Wert zurück.

Wolfgang Stränz

Das 2010 gegründete Netzwerk »Solidarische Landwirtschaft«, dessen Kassenwart er ist, verfolgt ein radikal neues Konzept. Das Prinzip: Wer sich gesunde Lebensmittel und eine nachhaltige Landwirtschaft wünscht, muss den Bauern vom Druck befreien, möglichst billig möglichst viel zu produzieren. Es begann auf dem Buschberghof nahe Hamburg. Als der Bauer in Rente ging, übernahm ein Verein den Hof und stellte einen jungen Landwirt an. Jedes Jahr kalkuliert dieser seine Betriebskosten. Die Mitglieder des Vereins bringen das Geld auf und erhalten dafür kostenlos alles, was der Hof produziert. »Die Lebensmittel verlieren so ihren Preis und bekommen ihren Wert zurück«, sagt Stränz.

Auf dem Buschberghof beträgt das Budget jetzt 360 000 Euro pro Jahr; davon kann man rund 300 Menschen ernähren. Im Schnitt zahlt jeder rund 100 Euro im Monat und erhält dafür alles, was er braucht: Brot, Käse und fünfzig Sorten Gemüse, Obst, Eier, Milch von glücklichen Kühen und Biofleisch von Angler Sattelschweinen. Die meisten Mitglieder leben in Hamburg und Umgebung. Dort können sie sich in Depots mit den Erzeugnissen des Hofs bedienen.

In Deutschland ist die Zahl solcher Freihöfe in den vergangenen fünf Jahren von 8 auf 27 gestiegen; in Frankreich, wo Stränz vor zehn Jahren das Konzept vorstellte, gibt es bereits 2000. Das Preisgeld würde Stränz gern verwenden, um für das Konzept zu werben – und viele Nachahmer zu finden.

https://www.youtube.com/watch?v=yn0eGk0k1_s