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© Steffen Roth
Der energieautonome Solarkiosk ermöglicht Menschen in ländlichen Gebieten Zugang zu Elektrizität

Sonne, mach mal das Licht an!

Andreas Spieß stellt in afrikanischen Dörfern Solarkioske auf und bringt Licht in die Dunkelheit.

Irgendwo in Afrika leuchtet es in der Dunkelheit. Während tiefe Nacht herrscht, haben sich Menschen vorm Fernseher versammelt, um ein Fußballspiel zu sehen. Eine Frau lädt den Akku einer Tischlampe auf, damit ihre Kinder Hausaufgaben machen können. Ein Mann recherchiert im Internet die aktuellen Weizenpreise, Jugendliche drucken Fotos aus. Der hell erleuchtete Kiosk ist zum Mittelpunkt des Dorflebens geworden. Irgendwo in Afrika – an 150 Orten zwischen Äthiopien und Botswana, in denen es keinen Strom gab und nun das Licht angegangen ist, mithilfe von Sonnenenergie.

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Das deutsche Start-up Solarkiosk hat in entlegenen Dörfern hübsch gestaltete Verkaufsstände aufgestellt, die den Menschen Elektrizität, Mobilfunk, Fernsehen und Internet bringen. Die Dorfbewohner können dort Kühlschränke, Tiefkühltruhen und vieles andere nutzen, wofür man Strom braucht. Für 10 Dollar können sie ein einfaches Handy oder eine Solar-Taschenlampe kaufen, für 100 Dollar eine eigene Sonnenenergie-Anlage fürs Haus. »Wir möchten ihnen den Weg ins 21. Jahrhundert ebnen«, sagt Andreas Spieß, Gründer und Chef von Solarkiosk. Sein Ziel: ein klein wenig dazu beitragen, dass sich Menschen nicht mehr unter Lebensgefahr auf den Weg ins gelobte Europa machen! Sie sollen in der Heimat Anschluss an die moderne Welt haben. Eigentlich ist Andreas Spieß Anwalt, hat mittelständische Unternehmen bei ihren Expansionsplänen unterstützt. Doch mit Anfang 40 wollte er »endlich etwas Sinnvolles machen«. Seine Frau stammt aus Äthiopien, und sein Herz hängt an Afrika.

So entstand die Idee zum Solarkiosk. Im Juli 2012 stellte er in Äthiopien den ersten Container auf, entworfen von Graft Architects, die seine Teilhaber wurden. Inzwischen hat das Unternehmen in Afrika 40 Mitarbeiter, die neue Standorte suchen und die Kioskbetreiber schulen. Diejenigen, die sie dafür auswählen – meist sind es Frauen –, bekommen ein Grundgehalt, die Gewinne werden geteilt. Der Kiosk sichert ihre Existenz – und nützt dem ganzen Dorf.

Sonnenenergie am Kiosk: Der Solarkiosk ermöglicht in ländlichen Gebieten Afrikas den Zugang zu Elektrizität.

https://www.youtube.com/watch?v=XCt1PPSDIVk