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© Steffen Roth
Armin Reller: Rohstoffen auf der Spur

Titandioxid? Verstehe!

Ein Chemiker erzählt Geschichten – und was für welche!

Zum Beispiel Titandioxid. Ob Zahnpasta oder Pillen, Hemden oder Zimmerwände: Nichts wäre strahlend weiß, wenn es das mineralische Pigment nicht gäbe. Doch die meisten Menschen wissen nichts über den Weißmacher, der uns überall begegnet. Wie wird Titandioxid gewonnen? Schadet der Abbau Menschen? Welche Säuren werden in der Produktion eingesetzt? Wo überall wird Titandioxid verwendet? Und: Was geschieht nach dem Gebrauch mit dem Wirkstoff? Armin Reller kennt die Antworten. An seinem Institut für Ressourcenstrategie an der Universität Augsburg geht er der Lebensgeschichte verschiedenster Rohstoffe nach. Er schreibt »Stoffgeschichten«, die zum bewussteren Umgang mit der Natur und ihren Schätzen anregen sollen, und veröffentlicht sie in Büchern und im Internet.

Seinen Anfang nahm alles an einer Quelle im Wald. Als kleiner Junge beobachtete Armin Reller dort, welche Wirkung kalkhaltiges Wasser hat. Wie es die ehemals grünen Blätter, die gelb ans Ufer herabgesegelt waren, mit einer Kruste überzog, bevor sie sich zersetzten. Seither ist Reller fasziniert von den Veränderungen, die Materialien im Lauf ihrer Biografie erfahren.

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Dass es dabei nicht nur um naturwissenschaftliche Fragen geht, erkannte der studierte Chemiker, als er in den neunziger Jahren auf Markus Huppenbauer traf. Der Philosoph beschäftigt sich mit Natur- und Umweltethik. Gemeinsam hielten die beiden Vorlesungen an der Universität Zürich. Heute vereint Rellers Forschung zu den Ressourcen chemische und ökologische, wirtschaftliche, soziale und politische Aspekte. Er sagt: »Wir müssen die soziale und ökologische Sprengkraft reduzieren, die beim Abbau und dem Verbrauch der Rohstoffe entsteht.« Das Titandioxid etwa wird mit dem Zähneputzen massenhaft ins Abwasser gespült. »Auch viele andere Ressourcen befinden sich anfangs konzentriert in einer Mine und werden schließlich in feinsten Partikeln über die Welt verteilt«, sagt Reller. »Ob sie dann in der Biosphäre ihre eigene Geschichte schreiben und die Umwelt belasten, wissen wir bei vielen Stoffen noch nicht.« Er arbeitet daran, dass möglichst viele Menschen möglichst viel erfahren über Herkunft und Verbleib der Rohstoffe. Ein Beitrag dazu sind seine »Stoffgeschichten«, die er auch für Schüler und Studenten aufgearbeitet hat.

Die »Stoffgeschichten«, die der Chemiker Armin Reller schreibt, zeichnen den Lebensweg von Rohstoffen anschaulich nach und beschreiben ihn mit allen seinen ökologischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Facetten.

https://www.youtube.com/watch?v=eX_ccNuflPM