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© Katrin Binner
»Frosch« setzt auf natürliche Wirkstoffe und effektives Recycling von PET-Flaschen

Vom roten Frosch, der grün wurde

Blitzsauber und blitzgescheit: Auch beim Putzen kann einem mal was Neues einfallen.

Es begann vor genau 30 Jahren. Das Reaktorunglück von Tschernobyl sensibilisierte viele Menschen für die Gefahren, die der Umwelt drohen. Und das Mainzer Familienunternehmen Werner & Mertz nahm ein neues Produkt ins Programm: einen ökologisch unbedenklichen Haushaltsreiniger, der das Gewissen der Kunden beruhigen sollte. Der Vater von Reinhold Schneider leitete damals die Firma. Dass er mit dem »Frosch«-Reiniger einen Coup gelandet hatte, sei dem Senior nicht bewusst gewesen, meint der Sohn, der heute das Unternehmen führt. Doch aus dem neuen Produkt wurde nach und nach ein Bestseller, der inzwischen die gesamte Firma prägt.

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Damals war Werner & Mertz vor allem für seine Schuhpflege-Produkte bekannt, der Erdal-Frosch war rot und trug ein Krönchen. Der neue grüne Frosch hingegen sprach nur eine umweltbewegte Minderheit unter den Kunden an. »Das war zunächst eine ganz kleine Sache«, sagt Schneider. Aber nachdem er im Jahr 2000 die Firmenleitung übernommen hatte, entwickelte sich Frosch zur einzigen ökologischen Marke in Europa, die – bei den Universalreinigern – sogar Marktführer wurde.

Um das zu erreichen, mussten die Ökoprodukte genauso wirkungsvoll und ebenso preiswert werden wie die konventionelle Konkurrenz. Als das gelungen war, stellte sich die Frage: Wie können wir die Natur – über unsere verträglichen Rezepturen hinaus – noch mehr entlasten? 2010 zog die Firmenverwaltung in einen Neubau am Rheinufer, der mit Geothermie, Photovoltaik und Windkraft mehr grüne Energie erzeugt, als er verbraucht. Und Reinhard Schneider dachte das Thema Nachhaltigkeit immer weiter: 2012 gründete er die »Initiative Frosch«, die auf mehreren Säulen ruht.

Mit der »Initiative Frosch« setzt sich der Reinigungsmittelhersteller für Alternativen zum Palmkernöl und für ein effektiveres Recycling der Plastikflaschen ein.

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Erstens Kunststoff: Um die Erdölvorkommen und das Klima zu schonen, wurden Frosch-Flaschen schon länger aus recycelten PET-Getränkeflaschen hergestellt. Doch wenn die leer sind, landen sie im Gelben Sack. Dessen Inhalt wird bestenfalls zu Parkbänken downgecycelt und oft sogar verbrannt, weil er nicht nur aus glasklarem Plastik besteht. Absurd, meinte Schneider, und demotivierend für die eifrig Müll trennenden Verbraucher. Dann erfuhr er von einer neuen Technologie, die auch farbige Kunststoffe sortenrein trennen und daraus transparente Flakes gewinnen kann. Er sprach mit den Forschern, mit den Entsorgern der Gelben Säcke und mit der Konkurrenz, die helfen sollte, eine Anlage gemeinsam auszulasten. Als Vorreiter mischt Frosch nun dem Material für seine Flaschen bereits 20 Prozent Rezyklat aus Verpackungsmüll bei. Noch wird der in Frankreich sortiert, gereinigt, geschreddert. Doch inzwischen hat Schneider genügend Mitstreiter überzeugt, sodass in Deutschland eine solche Anlage gebaut werden kann – und der Abfall aus dem Gelben Sack zu Wertstoff wird.

Zweitens Palmkernöl: Es liefert die waschaktiven Tenside, die bei herkömmlichen Reinigern aus Erdöl gewonnen werden. Seit einiger Zeit steigt die Nachfrage nach Palmkernöl gewaltig. »Ein Riesenproblem«, sagt Schneider. Die immer größeren Palmenplantagen verbrauchen viel Fläche in den Tropen – dafür wird der Regenwald geopfert. Eine Lösung liegt in Ostdeutschland, wo zur Sanierung der ausgelaugten Böden Raps wächst. Der wird in den ersten Jahren nicht weiterverarbeitet, weil die Qualität für Rapsöl zu schlecht ist. Tenside für Reinigungsmittel kann man aber daraus gewinnen, genau wie aus den Dritt- und Viertpressungen von Lein- und Olivenöl, die nicht verkäuflich wären.

Und drittens: Die »Initiative Frosch« wirbt auch bei anderen Unternehmen für das strenge Ökosiegel EMAS, mit dem Werner & Mertz schon seit zwölf Jahren immer wieder ausgezeichnet wurde. Es wird stets für nur drei Jahre verliehen; wer es erneut bekommen möchte, muss das Ökomanagement weiter verbessern. Das ist für Reinhard Schneider zur Mission geworden. Zwar hat er sich selbst nie als Teil der Ökobewegung begriffen – die war ihm zu ideologisch, er sieht sich eher als Pragmatiker –, doch offenbar ist genau das der Schlüssel, wenn man etwas bewirken will.

Die »Initiative Frosch« wurde vom Mainzer Putzmittelhersteller Werner & Mertz gegründet. Sie verbessert nicht nur die ökologische Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen – etwa, indem sie Alternativen zum Palmkernöl sucht –, sie wirbt außerdem bei anderen Firmen, sich am besseren Recycling von Gelbe-Sack-Abfällen zu beteiligen.

https://www.youtube.com/watch?v=vdX3wTplcHQ