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Klimawandel

Eine trügerische Sicherheit

Via DIE ZEIT • Stefanie Mixa • 20.04.2017

Klaus Wiegandt kritisiert 2017 erneut die Schwachstellen des Klimavertrags von Paris.

Als Meilenstein im Kampf gegen den Klimawandel bezeichnet Klaus Wiegandt, Stifter und Vorstand der Stiftung Forum für Verantwortung, den Klimavertrag von Paris. 196 Staaten haben darin anerkannt, dass der Klimawandel real und menschengemacht sei und zur größten Bedrohung der gesamten Menschheit in diesem Jahrhundert werden könne. Das gemeinsame Ziel: die durchschnittliche Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts zumindest auf 1,5 Grad begrenzen. Doch sind aus Wiegandts Sicht die Schwachstellen des Abkommens unübersehbar.

Der Vertrag ist für ihn »... weiterhin nur ein Stück Papier ohne Sanktionsmöglichkeiten und der Versuch, CO2-Emissionen mit einem Mindestpreis zu belegen, gescheitert«. Wiegandt wirft den Staaten vor, sich bei der Reduzierung von CO2-Emissionen vor allem auf technische Lösungen zu konzentrieren. Letztere ließen sich auf zwei Wegen erreichen: »Durch die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz und durch den vollständigen Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien.« Insbesondere das nicht nachhaltige Verhalten der Verbraucher mache alle Effizienzgewinne immer wieder zunichte. Außerdem werden in seinen Augen die natürlichen Möglichkeiten der CO2-Reduktion sträflich vernachlässigt, nämlich die Waldlösungen. »Ein Stopp der Waldvernichtung und eine umfassende Aufforstung in den Tropen und Subtropen würden die CO2-Emissionen um etwa zehn Milliarden Tonnen jährlich reduzieren und gleichzeitig einen großen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten.«

Aber nur über eine bundesweit wahrnehmbare Kampagne in der Zivilgesellschaft für die Waldlösungen könne die Politik gezwungen werden, sie auf ihre Agenda zu nehmen. Dies sei »... der einzige Weg, die Klimaschutzpolitik zeitnah zu intensivieren, ohne die Weltwirtschaft zu gefährden und Massenarbeitslosigkeit zu verursachen«.

Gleichzeitig müsse endlich Bildung für nachhaltige Entwicklung verbindlich in unser gesellschaftliches Bildungssystem integriert werden, um mittel- und langfristig die verschwenderischen Lebens- und Konsumstile in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern.

Wenn wir nur abwarten, ob der Klimavertrag von Paris nicht die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt, lassen wir uns auf die größte Spekulation in der Menschheitsgeschichte ein. Eine Spekulation mit dem Schicksal unserer Kinder und Enkelkinder und der dann wohl 10 Milliarden Menschen auf unserem Planeten.

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