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Fliesen und Ziegel teilen

Via ZEIT WISSEN • Andrea Böhnke, Hella Kemper, Anja Leuschner • 12.02.2019

Simon Schlögl bringt Handwerker auf materialrest24.de zusammen

Was ist die Idee?

Ich habe 15 Jahre als Dachdecker gearbeitet und stand immer wieder vor demselben Problem: Ein Auftrag ist erledigt, aber das Material nicht verbraucht. Rote Dachziegel, Holzlatten oder normale Schrauben benötige ich ständig. Aber daneben gibt es spezielle Bauartikel, die ich in der Regel nur einmal benötige. Brauche ich zum Beispiel für eine Reparatur 15 Quadratmeter spezielle Dachdeckung, kann ich diese nur in einem Gebinde von 200 Quadratmetern einkaufen. Was übrig bleibt, stapelt sich im Lager – bis ich es wegwerfe. Dabei bräuchte irgendein Kollege vielleicht genau diese Materialreste. Das Problem haben nicht nur Dachdecker, sondern auch andere Handwerker. Also wäre es besser, die Materialien gemeinsam zu nutzen, um weniger Müll zu produzieren und weniger Ressourcen zu verschwenden. Auf materialrest24.de können Firmen Materialreste anbieten oder kaufen. Innerhalb eines Jahres haben sich mehr als 700 Handwerksbetriebe registriert, aktuell sind etwa 2300 Anzeigen geschaltet: von Dachziegeln in speziellen Farben über Fenster bis hin zu kompletten Heizungsanlagen.

Was waren die größten Hindernisse?

Anfangs wusste niemand von meiner Idee. Deshalb war es schwerer, die ersten 30 Handwerksbetriebe zu motivieren als die nächsten 300. Ich bin mit dem Fahrrad von Firma zu Firma gefahren und habe meinen Kollegen die Website vorgestellt.

Wie geht es weiter?

Die Plattform soll wachsen. Wir wollen mehr Personal einstellen, vor allem im Vertrieb und Marketing. Bis Ende des Jahres wollen wir auf 10.000 Betriebe kommen, die mitmachen.

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ZNadmin

Die Onlineplattform materialrest24, gegründet vom Dachdecker Simon Schlögl, bietet ein Materialsharing für die Handwerksbranche an. Handwerker benötigen häufig nur kleine Mengen eines bestimmten Baustoffs, können diesen jedoch nur in großen Gebinden erwerben. Übrig gebliebene Bauartikel stehen dann oft lange Zeit ungenutzt in den Lagern. Hier setzt die Idee von materialrest24.de an. Es werden Baumaterialien ver- und gekauft, die bei einem Handwerker übrig geblieben sind und von einem anderen benötigt werden. Schlögl sieht darin einen Beitrag zur Ressourcenschonung in einer Branche, die aktuell einen sehr hohen Verschleiß hat.