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Stefan Schridde wehrt sich gegen Gerätehersteller, die Murks produzieren

Kampf dem Murks

Via ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2018) • Anna Franck und Hella Kemper • 13.02.2018

Mixer, Drucker und Smartphones könnten viel länger halten, wenn ...

Was ist die Idee?

Als er einen Film über afrikanische Kinder sah, die auf Müllbergen spielen, machte es bei Stefan Schridde klick. Er gründete »Murks? Nein danke!«. Mit dem Verein will er über die geplante Obsoleszenz vieler Produkte aufklären. Obsolescere bedeutet auf Lateinisch »sich abnutzen«. Schridde unterstellt Herstellern, dass sie die Kurzlebigkeit ihrer Produkte gezielt planen, um Neukäufe zu befördern. Laut einer Studie, die der Verein im Auftrag der Grünen durchgeführt hat, könnten fast alle Konsumgüter mit einer dreifach verbesserten Haltbarkeit hergestellt werden, ohne dass ihre Produktion mehr kosten würde. »Dadurch könnten im Jahr rund 100 Milliarden Euro freigesetzt werden, die die Menschen anders verwenden könnten«, sagt Schridde. Wäre beispielsweise der Übergang bei einem Kabel vom harten zum weichen Material fließender, würde es nicht so leicht brechen, sagt er. Auf murks-neindanke.de können Verbraucher Murks-Geräte melden, oft genannt werden Drucker, Waschmaschinen und Mixer.

 

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Was waren die größten Hindernisse?

Die geplante Obsoleszenz gilt in manchen Kreisen als Verschwörungstheorie. Schridde begegnet seinen Kritikern offen und diskutiert in seinem Blog und bei Vorträgen.

Wie geht es weiter?

Schridde plant für 2019 Ausstellungen in mehreren Städten, die Murks-Gegenstände wie Rührbesen oder Computer-Platinen zeigen. Damit will er den Druck auf die Gerätehersteller erhöhen. Außerdem will Schriddes Verein Konsumseminare anbieten, in denen man beispielsweise lernen kann, welche positiven Auswirkungen der Gebrauchtkauf hat.

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Die gemeinnützige Organisation setzt sich für Haltbarkeit und nachhaltige Qualität ein. Dabei steht die »geplante Obsoleszenz« im Fokus der Bewegung rund um den Initiator Stefan Schridde, der ein gleichlautendes Buch zum Thema geschrieben hat. MURKS? NEIN DANKE! fordert von Produzenten, Handel und Politik, den geplanten Verschleiß zu beenden, und ermutigt, neue Wege zu gehen. Communityportal und Initiativen erleichtern Konsumenten, positive und negative Beispiele transparent zu machen. Damit hat Schridde eine breite Debatte in der Gesellschaft angestoßen und das Thema auf die Agenda gesetzt.