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Im Kieler Laden von Marie Delaperièrre gibt es Lebensmittel nur »lose«

Kommt nicht in die Tüte

Via ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2018) • Benjamin Reibert und Hella Kemper • 13.02.2018

Abfüllen, wiegen, zahlen: So geht Einkaufen ohne Verpackungsmüll

Was ist die Idee?

Wer bei Marie Delaperièrre einkauft, muss gut ausgerüstet sein: Vorratsdosen, Einmachgläser, Flaschen bitte mitbringen. Plastikfolien, Getränkekartons oder Tüten? Zu Hause lassen. »Mit meinem Unverpackt-Laden will ich Einkaufen ohne Verpackungen möglich machen«, sagt die gebürtige Französin. »Ich möchte meine Kunden dazu animieren, ihre Ernährung und ihren Konsum zu überdenken.« Ihren Kieler Laden Unverpackt betreibt die Quereinsteigerin aus Toulouse seit 2014: »Eigentlich komme ich aus dem Projektmanagement für Medizintechnik. Das Geschäft war also Neuland für mich.« Das Thema Nachhaltigkeit dagegen nicht. »Und so habe ich den allerersten Unverpackt-Laden Deutschlands eröffnet«, sagt Delaperièrre, die inzwischen andere Händler berät, wie man im Lebensmittelverkauf auf überflüssige Verpackungen verzichten kann.

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Was waren die größten Hindernisse?

Besonders die Lieferantensuche war anfangs schwierig: »Ich musste überhaupt erst einmal Händler finden, die mir die Produkte so lieferten, wie ich mir das vorgestellt hatte.« Also Müsli, Weizen und Dinkel in 25-Kilogramm-Säcken, fair gehandelte Gewürze in 2-Kilogramm-Tüten, regionale Kartoffeln und Äpfel in Pfandkisten, Limonade in Pfandflaschen. Wichtig seien dabei auch kurze Lieferwege. Und natürlich nachhaltige Verpackungen wie Pappe. »Ich bin mit 250 Produkten gestartet, inzwischen bieten wir über 600 an. Die meisten davon kommen aus Deutschland.« Und manche ihrer Produkte gebe es noch nicht einmal im herkömmlichen Supermarkt, zum Beispiel ihre Nussmischungen.

Wie geht es weiter?

»Kiel liegt am Ende der Welt«, sagt Delaperièrre, »dennoch kommen viele Menschen aus dem Umland, um bei uns einzukaufen.« Manche Kunden seien stolz darauf, dass sich der Laden inzwischen etabliert habe: »Da wollen wir weitermachen.« Dass sich aus ihrem Konzept ein Franchise entwickelt, will sie nicht. »Dennoch freue ich mich, wenn weitere Läden mit einem ähnlichen Konzept in größeren Städten eröffnen.«

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Das 2014 von Marie Delaperrière gegründete Lebensmittelgeschäft war das erste Deutschlands, das vollständig auf Einwegverpackungen verzichtete. Ziel ist, Verpackungsmüll und Lebensmittelabfälle zu vermeiden und Verbraucher zu animieren, den eigenen Konsum zu hinterfragen. Das Kieler Team hat eine deutschlandweite Bewegung gestartet: durch Weitergabe von Erfahrungen und als Berater inspirierten sie bereits für mehrere Ladengründungen. Der verpackungsfreie Einkauf soll sich als Alternative zum herkömmlichen Supermarkt etablieren und ein Umdenken der Gesellschaft und ihres Konsumverhaltens anstoßen.