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Umwelt

Komposttoilette fürs Festival

Via ZEIT WISSEN • Elisabeth Pörnbacher • 21.10.2016

Er ist nicht da. Wer die Tür hinter sich schließt, bemerkt, dass etwas fehlt. Weil man ihn doch erwarten würde, den typischen Toiletten-Geruch. Stattdessen riecht es in der Toilette der Firma Goldeimer nach Sägespänen. Kein Wunder: Wer den Spülknopf drückt, hört kein plätscherndes Wasser. Stattdessen fallen Sägespäne. Die Goldeimer-Toilette ist eine Komposttoilette, bei der Urin in einen separaten Behälter abgeführt wird. Der entwässerte Kot riecht kaum. Und kann kompostiert werden.

 

Den Praxistest machte Goldeimer auf Musikfestivals. Im vergangenen Sommer drückten Festivalbesucher bei 18 Veranstaltungen auf die Sägespänespülung. »Dadurch haben wir eine Million Liter Wasser gespart«, sagte Goldeimer-Mitarbeiter Enno Schröder unlängst auf der Hamburger Klimawoche. Außerdem könne man auf chemische Reinigungsmittel verzichten. Dennoch können die Goldeimer-Toiletten nicht mit denen von Dixi konkurrieren, sagt Schröder: »Dixi hat etwa 50.000 Toiletten, wir haben gerade mal 80.« Und während eine Standardtoilette pro Wochenende 40 bis 100 Euro Miete kostet, verlangt Goldeimer 180 Euro und mehr.

 

Die Alternative: Die Veranstalter zahlen nichts, dafür zahlen die Festivalbesucher. Auch mit einer Flatrate für mehrmalige Toilettengänge hat Goldeimer schon experimentiert. Die Mitarbeiter sprechen von »Klobalisierung«, obwohl die Goldeimer-Toiletten vorerst nicht die ganze Welt bevölkern sollen. »Wir wollen die Klos nicht exportieren, sondern mit dem durch die Klos erwirtschafteten Geld Menschen helfen, eine an ihren Heimatort angepasste Lösung zu finden«, sagt Schröder.