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Gülcan Nitsch lässt Deutschtürken grüner werden

Mülltrennen auf Türkisch

Via ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2018) • Benjamin Reibert und Hella Kemper • 13.02.2018

Yeşil Çember will Deutschtürken in Umweltengel verwandeln

Was ist die Idee?

Im Alltag ist vieles wichtiger als Mülltrennung, Ökostrom oder Biogemüse – gerade Menschen mit Migrationshintergrund haben oft andere Sorgen. Darum gründete die Biologin Gülcan Nitsch die Umweltinitiative Yeşil Çember (Grüner Kreis). Sie will vor allem Deutschtürken zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz motivieren. »Das geht doch alle an«, sagt Nitsch. Vor zehn Jahren startete sie mit ihrem Verein und wurde dabei von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unterstützt. Heute arbeiten drei Festangestellte und hunderte Ehrenamtliche in 13 deutschen Städten für Yeşil Çember. Geschult werden Umweltbotschafter und -botschafterinnen, die in türkischen Gemeinden unterwegs sind – sie werben zum Beispiel für Mülltrennung und Ökostrom, für eine gesunde Ernährung und weniger Plastik.

Was waren die größten Hindernisse?

»Sprachliche und kulturelle Hürden verhindern oft, dass die traditionellen Umweltverbände Migranten erreichen«, sagt Nitsch. So sei das auch beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gewesen. Also setzte sie sich beim BUND dafür ein, die türkische Community in Deutschland gezielt anzusprechen. »Ich bin zweisprachig, ich verstehe, was der BUND will, aber ich kann seine Ziele auch vermitteln«, sagt sie und klärt sowohl auf Deutsch als auch auf Türkisch auf – und erreicht mehr Menschen.

Wie geht es weiter?

»Ich will in den nächsten Jahren noch mal richtig Tempo machen«, sagt Nitsch. Sie hat ambitionierte Pläne: »Ich will der Bundesregierung die Namen aller umweltfreundlichen Türken in Deutschland geben, und zwar schwarz auf weiß.« Wer beispielsweise den Stromanbieter gewechselt hat, solle sich das bestätigen lassen. Wer weniger Strom verbraucht hat, solle den Nachweis dafür aufheben. »Natürlich alles freiwillig«, sagt Nitsch, aber es sei wichtig, dass sichtbar gemacht werde, wie und wo Menschen etwas zum Umweltschutz beitragen. Denn Anerkennung motiviere, mehr für die Umwelt zu tun.

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Yeşil Çember (Jeschil Tschember, Türkisch für Grüner Kreis) aktiviert türkischsprachige Menschen in Deutschland für Umweltthemen und verbreitet somit nachhaltige Lebensstile. Mit niedrigschwelligen und kulturspezifischen Aufklärungsmaterialien, Umweltbotschaftern und interkulturellen Veranstaltungen erreicht die Umweltorganisation in einzigartiger Weise Menschen mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus berät die von Gülcan Nitsch ins Leben gerufene Organisation Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Damit sie ist Pionier für die Wissensvermittlung zum Umweltschutz in dieser Bevölkerungsgruppe.