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Franz Ehrnsperger und Susanne Horn lassen in Neumarkt Bio sprudeln

Prost, Bio!

Via ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2018) • Anna Franck und Hella Kemper • 13.02.2018

Lammsbräu braut Bier aus ökologisch angebauten Zutaten

Was ist die Idee?

Als Franz Ehrnsperger in den siebziger Jahren die Brauerei Neumarkter Lammsbräu von seinen Eltern übernahm, war »Bio« noch kein Thema. Trotzdem entschied er sich schon damals für den ökologischen Weg. »Kunstdünger und Pestizide waren gerade auf den Markt gekommen, die Bauern erhofften sich einen besseren Ertrag davon«, sagt Lammsbräu-Geschäftsführerin Susanne Horn. Doch die Qualität der Rohstoffe und damit der Geschmack des Biers hätten sich dadurch verschlechtert. Hochwertige Rohstoffe fand die Brauerei im ökologischen Landbau. »Statt Hopfenextrakten setzen wir ausschließlich ganze Aromahopfen-Dolden ein«, sagt Horn. Das Getreide wird in der hauseigenen Mälzerei verarbeitet und anschließend im Sudhaus mit den Hopfendolden schonend gekocht. Reststoffe werden möglichst weiterverarbeitet: Der Biertreber, also die Rückstände des Malzes, wird an Bauern verkauft, die ihn als Tierfutter verwenden. Inzwischen ist die Brauerei mit über 60 Prozent Marktanteil in Deutschland Marktführer beim Bio-Bier; sie produziert durchschnittlich 160 000 Flaschen pro Tag: 19 Biersorten, 10 Limonaden, Schorlen und Mineralwasser.

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Was waren die größten Hindernisse?

Bis zum Bundesgerichtshof führte die juristische Streitfrage, ob bei Mineralwasser die Bezeichnung »bio« zulässig ist. Das Urteil: Lammsbräu darf sein Mineralwasser so nennen. Noch heute ist es nicht leicht, ausreichend viele Landwirte zu finden, die ihre Rohstoffe biologisch anbauen. Inzwischen ernten 168 Bauern aus der Region Braugerste für Lammsbräu, doch in manchen Jahren reicht selbst das nicht. »Wenn die Ernte etwa wegen Trockenheit schlecht ausfällt, haben wir zu wenig Gerste«, sagt Horn. Auch deshalb beschäftigt die Brauerei seit vielen Jahren eine Agraringenieurin, die die Getreidebauern berät. Außerdem braucht Lammsbräu ökologisch angebaute Zuckerrüben – mehr als 2000 Tonnen im Jahr für die Limonadenproduktion.

Wie geht es weiter?

Bis 2025 will die Brauerei ihre CO₂-Emissionen jährlich um sechs Prozent senken und damit insgesamt rund 11 000 Tonnen CO₂ einsparen. In den nächsten zehn Jahren will sich das Unternehmen zudem dafür engagieren, dass mehr Bauern auf ökologischen Anbau umstellen und ausreichend Abnehmer finden.

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Das Familienunternehmen setzt als Pionier und Marktführer für Bio-Biere konsequent auf Umwelt und Naturschutz. Umweltschutz wurde bereits 1977 vom Firmengründer Dr. Franz Ehrnsperger als Unternehmensziel definiert und gilt bis heute. Der sorgsame Umgang mit Rohstoffen, Energie, Wasser, Abfällen und die Reduktion betrieblicher Emissionen stehen im Mittelpunkt. Ebenso wichtig ist der wertschätzende Umgang mit Mitarbeitern, Lieferanten und Partnern. Geschäftsführerin Susanne Horn steckt immer wieder neue Ziele im Bereich der Nachhaltigkeit und macht damit Neumarkter Lammsbräu zu einem Vorbild für alle.