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Das Konzeptwerk sucht das Glück in einer gerechteren Welt

Schrumpfen tut gut

Via ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2018) • Anna Franck und Hella Kemper • 13.02.2018

Eine Schule gegen Ausbeutung und gegen mehr Wachstum

Was ist die Idee?

Konkurrenz belebt das Geschäft, das ist so ein Spruch. Konkurrenz beschleunigt aber eine Gesellschaft auch, überfordert Einzelne und grenzt sie aus. Darum setzt sich der Verein Konzeptwerk Neue Ökonomie für ein Wirtschaftssystem ein, das nicht gewinnorientiert ist und das Wohlergehen aller zum Ziel hat. »Alle sollen ein gutes Leben haben können«, sagt Charlotte Hitzfelder. Der Verein propagiert eine Gesellschaft des Postwachstums, englisch: degrowth. Dafür gibt es keinen fertigen Plan. »Aber wir schaffen Räume, in denen mehr Gerechtigkeit möglich ist«, sagt Christoph Sanders. Beispiel Arbeit: Jeder arbeitet so viel, wie er kann, und bekommt so viel Geld, wie er braucht. Beispiel Degrowth-Sommerschule: Gelebt wird eine neue Form der Esskultur, gekocht wird vegan oder vegetarisch, stets für die Gemeinschaft. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch sozialer. Entscheidungen werden basisdemokratisch gefällt.

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Was waren die größten Hindernisse?

»Menschen haben Angst vor Veränderung«, sagt Sanders. Das Konzeptwerk stellt infrage, was für viele selbstverständlich ist: Gehört zu einem guten Leben ein Auto? Braucht gutes Essen immer Fleisch?

Wie geht es weiter?

Dieses Jahr findet die Degrowth-Sommerschule bei Pödelwitz statt. Das Dorf im Süden von Leipzig soll dem Braunkohleabbau weichen. Rund 500 Workshop-Aktivisten werden im Klima-Camp die Kohleproblematik diskutieren.

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Die unabhängige Organisation setzt sich für eine soziale, ökologische und demokratische Wirtschaft und Gesellschaft ein. Das Konzeptwerk eröffnet Bildungs- und Austauschräume rund um Themen des sozial-ökologischen Wandels. Es will zeigen, dass alternative Wirtschaftsformen schon heute existieren und als Anknüpfungspunkte für diesen Wandel dienen. Durch die Kooperation mit wachstumskritischen Initiativen und sozialen Bewegungen für globale Gerechtigkeit will es eine Veränderung von unten bestärken. Das Konzeptwerk bringt Schwung und neues Wissen in zivilgesellschaftliche Diskurse und Praktiken.