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© Alexander Gehring
Klimapolitik

So smart wie grün

Via ZEIT WISSEN • Andrea Böhnke, Hella Kemper, Anja Leuschner • 12.02.2019

Tilman Santarius nutzt Bits, um Bäume zu retten

Was ist die Idee?

Ich verstehe mich als Agenda-Setter: An der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik habe ich eine Debatte darüber angestoßen, wie die Digitalisierung unsere Gesellschaft sozial und ökologisch nachhaltiger machen kann. Es gibt Risiken und Chancen. Entscheidend ist, dass wir die digitale Transformation gestalten.

Was waren die größten Hindernisse?

Beispiel Energie: Steigt die Effizienz, wächst der Verbrauch, das ist der sogenannte Rebound-Effekt – ein weitgehend blinder Fleck in der Digitalisierungs- wie auch der Nachhaltigkeitsdebatte. Die Digitalisierung kann in vielen Bereichen zwar die Effizienz steigern, aber bereits acht Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland entfallen auf Rechenzentren und den Betrieb digitaler Geräte, Tendenz stark steigend. Um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten, müssen wir die digitalen Möglichkeiten daher so nutzen, dass sie den Verbrauch von Energie und Ressourcen verringern.

Wie geht es weiter?

Wir brauchen politische Instrumente, die eine sanfte Digitalisierung realisieren. Zum Beispiel können wir die alte Idee der ökologischen Steuerreform revitalisieren und das besteuern, was nicht nachhaltig ist: etwa den Energieverbrauch und die gigantisch wachsenden Datenströme im Bereich des Streamings. Mit den Steuereinnahmen kann die Pflege- und Reproduktionsarbeit gefördert werden, denn in Zukunft könnten Roboter viele Menschen arbeitslos machen. Wenn wir die Tech-Community und die Nachhaltigkeitsszene zusammenbringen, können sich neue Allianzen bilden. Die Idee einer nachhaltigen Digitalisierung kann sich ausbreiten.

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ZNadmin

Der wissenschaftliche Autor und Aktivist beschäftigt sich Klima- und Handelspolitik, nachhaltigem Wirtschaften, globaler Gerechtigkeit und digitaler Transformation. Derzeit lehrt Santarius an der TU Berlin und leitet eine Nachwuchsforschungsgruppe zum Thema Digitalisierung und sozial-ökologische Transformation. In seinem neuesten Buch »Smarte Grüne Welt?« fragt er, was die Digitalisierung für Ökologie und soziale Gerechtigkeit bedeutet und wie sie sich auf Arbeitsplätze, Einkommensverteilung und Ressourcen auswirkt. Tilman Santarius ist es wichtig, Akteure zu neuen Allianzen zusammen zu bringen, wie etwa mit der Konferenz »Bits & Bäume«. Ehrenamtlich ist er im Aufsichtsrat bei Greenpeace Deutschland aktiv.