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Konsum

Spenden, was übrig ist

Via ZEIT WISSEN • Andrea Böhnke, Hella Kemper, Anja Leuschner • 12.02.2019

Juliane Kronen verwandelt Überfluss in sozialen Nutzen

Was ist die Idee?

Ich war 16 Jahre bei einer Unternehmensberatung. Eines Tages rief mich ein ehemaliger Kollege an, der bei einem Hersteller von Körperpflege-Produkten arbeitet. Er sagte, er würde 200.000 Flaschen Shampoo spenden, weil sie falsch etikettiert seien – unter zwei Bedingungen. Erstens: Die Ware solle am nächsten Tag vom Hof sein. Zweitens: Sie dürfe nicht auf dem Schwarzmarkt auftauchen. Ich habe den ganzen Tag telefoniert. Das Shampoo ist am Ende entsorgt worden. Um so etwas zu verhindern, habe ich Innatura gegründet. Unser Geschäftsmodell als Charity-to-Charity-Sozialunternehmen ist einmalig: Wir sammeln neue, einwandfreie Produkte, die Unternehmen entsorgen würden, und verteilen sie dort, wo sie gebraucht werden. Gemeinnützige Organisationen können sich auf unserer Online-Plattform registrieren und bestellen, was sie benötigen. Sie zahlen dafür zwischen fünf und 20 Prozent vom Marktpreis. Auf diese Weise haben wir dem gemeinnützigen Sektor bereits über zehn Millionen Euro eingespart.

Was waren die größten Hindernisse?

Anfangs waren viele Empfänger misstrauisch. Wir mussten sie überzeugen, dass die Ware nicht »vom Lastwagen gefallen ist«. Spenden ist in Deutschland aus steuerlichen Gründen teurer als Wegwerfen, deshalb setzen wir uns für eine bessere steuerrechtliche Behandlung von Sachspenden ein.

Wie geht es weiter?

In Deutschland werden jedes Jahr einwandfrei verwendbare Waren im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro entsorgt; das ist unser Potenzial, um soziale Einrichtungen mit dringend benötigten Produkten zu versorgen. Der nächste Schritt: ein automatisiertes Lager.

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ZNadmin

Innatura vermittelt fabrikneue Sachspenden an gemeinnützige Organisationen, übernimmt die Distribution und schützt dabei die Hersteller- und Handelsunternehmen. Das nützt dem sozialen Sektor, der Umwelt und Unternehmen, da Abfallmengen vermieden und Anstöße gegeben werden, Produktions- und Distributionsprozesse zu optimieren. Seit der Gründung 2013 wurden Sachspenden im Wert von 14,5 Mio. € an über 1.100 soziale Organisationen weiterverteilt und damit rund 1.700 Tonnen Müll vermieden. Dr. Juliane Kronen kämpft zudem für die Veränderung der steuerrechtlichen Rahmenbedingungen, wonach auf den Warenwert von Spenden Umsatzsteuer abgeführt werden muss.