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Die App-Gründer von Too Good To Go retten Lebensmittel vor der Mülltonne

Zu lecker für den Müll

Via ZEIT WISSEN (Ausgabe 2/2018) • Benjamin Reibert und Hella Kemper • 13.02.2018

Eine App weiß, in welchem Restaurant noch Essen übrig ist

Was ist die Idee?

Auf fast 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen werden weltweit Lebensmittel angebaut, die weggeworfen werden. Allein in Deutschland sind es rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr, die im Müll landen. Sekunde für Sekunde werden im Durchschnitt 313 Kilogramm noch genießbare Nahrungsmittel weggeworfen. »Schluss mit diesem Verschwendungsirrsinn!«, dachten sich ein paar Freunde. Sie entwickelten die kostenlose App Too Good To Go. Über sie können Restaurants zu viel gekochte Mahlzeiten und Geschäfte übrig gebliebene Lebensmittel verkaufen: das Roggenbrot des Bäckers, Hähnchenspieße aus der Hotelküche, Sushi vom Buffet. Eine Portion kostet in der Regel zwischen einem und vier Euro, bezahlt wird per Kreditkarte oder Paypal. Der Käufer holt das Essen kurz vor Restaurant- oder Ladenschluss ab. Auf diese Weise retteten die App-Entwickler bis November 2017 drei Millionen Mahlzeiten.

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Was waren die größten Hindernisse?

Anfangs dachten einige Gastronomen, dass sich das Konzept nur für größere Mengen lohne. Die Lebensmittelretter betrieben Aufklärungsarbeit: Schließlich könne mit Essen, das sonst weggeworfen würde, noch Geld eingenommen werden. Das überzeugte: Inzwischen kommen Betriebe auf die App-Macher zu und wollen bei Too Good To Go einsteigen. Den sozialen »Tafeln« wird dabei kein Essen weggenommen, weil mehr weggeworfen wird, als diese nutzen und über Too Good To Go kleine Mengen sowie fertige Gerichte vermittelt werden können.

Wie geht es weiter?

Die App ist in mehr als hundert deutschen Städten vertreten sowie in sieben Ländern, aber ihre Erfinder wollen weiter expandieren. Außerdem soll es bald einfacher sein, nicht nur ein Restaurant in der Nähe zu finden, das Essen übrig hat, sondern auch gezielt nach Spaghetti Bolognese oder Pizza Margherita zu suchen, auf die man gerade Heißhunger hat.

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Mit der App Too Good To Go können Konsumenten kostengünstig Lebensmittel erwerben, die nicht verkauft wurden, nicht aufbewahrt werden können und daher weggeworfen würden. Gastronomische Betriebe und Kunden werden miteinander vernetzt und überproduzierte Lebensmittel zum reduzierten Preis vermittelt. Das öko-soziale Start-Up bietet damit eine Lösung entgegen der Ressourcenverschwendung, an der jeder Einzelne partizipieren kann. Too Good To Go will Essen wieder zu mehr Wertschätzung verhelfen – sowohl durch den Umweltschutz als auch durch die Sensibilisierung der Gesellschaft für dieses Thema.